Patienteninteressen im Mittelpunkt – wie lässt sich unser Gesundheitswesen verbessern?

 

Einiges haben Patienten und Bürger im Gesundheitswesen schon bewegen können, aber es ist noch längst nicht genug. Die Interessenvertretung von Ärzten, Pharma-Unternehmen und Krankenkassen ist immer noch weitaus stärker und dominanter.

Deshalb brauchen wir SIE, um uns für weitere, dringend notwendige Veränderungen im Gesundheitswesen einzusetzen! Wie Sie uns unterstützen können, erfahren Sie hier.

Dazu gehört vor allem das Eintreten für eine integrative Medizin, die Schulmedizin und Komplementärmedizin miteinander verbindet. So, wie es heute schon in der Mehrzahl der niedergelassenen Praxen geschieht. Umfragen zeigen zudem, dass sich rund 70 Prozent der Bevölkerung eine Behandlung mit Integrativer Medizin wünschen. Die Politik hat diese Realität jedoch noch längst nicht anerkannt, und auch in den Medien spiegelt sie sich viel zu wenig wieder.

Grundlage für die Entscheidung, welche Leistungen von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden, bilden immer noch die nach konventionellen Standards vorgenommenen klinischen Studien. Die Mehrzahl von ihnen wird durch die Pharmaindustrie selber veranlasst und finanziert. Staatliche Mittel fließen meist nur, um Hochtechnologien in der Medizin zu fördern bzw. zu erforschen.

Für die Integrative Medizin gibt es bei uns – im Gegensatz zu den USA, wo die staatlichen Gesundheitsbehören jährlich über 100 Millionen Dollar in die Erforschung der Komplementärmedizin investieren –  keine eigenen staatlich finanzierten Forschungsprogramme. Diese Situation ist inakzeptabel! Vor allem vor dem Hintergrund, dass Wirksamkeitsnachweise gerade von den Kritikern der Integrativen Medizin immer wieder eingefordert werden. Auch die Vertreter der Integrativen Medizin selbst würden gerne mehr forschen – wenn sie nur könnten.

Gesundheit Aktiv nord  setzt sich gemeinsam mit dem Bürger- und Patientenverband GESUNDHEIT AKTIV e. V. und anderen Initiativen für eine großflächige und breit angelegte Forschung auf dem Gebiet der Integrativen Medizin ein. Wie notwendig das ist, zeigen auch die jüngsten Angriffe auf Homöopathie und Anthroposophische Medizin. Lesen Sie dazu auch die aktuelle Meldung bei GESUNDHEIT AKTIV oder abonnieren Sie den Newsletter, um stets auf dem Laufenden zu bleiben.

Weiterhin muss es darum gehen, den Bürgern und Patienten Therapie- und Wahlfreiheit zwischen verschiedenen Methoden zu ermöglichen und sie mitbestimmen zu lassen, wie die Mittel verwendet werden, die für die Sozialversicherung eingezahlt werden.

 

 

 

 

Anthroposophische Medizin

Was Sie ist, was Sie will, was Sie kann

 

Anthroposophische Medizin ist eine integrative Medizin, die sich aus drei Quellen speist:

 • aus der naturwissenschaftlichen, konventionellen Medizin mit deren Methoden und Ergebnissen

 • aus einem ganzheitlichen Natur- und Menschenverständnis

 • aus geisteswissenschaftlichen Erkenntnissen über Seele und Sein des Menschen.

Alle drei gehören untrennbar zusammen und bilden die Basis der Anthroposophischen Medizin. Leibliches und seelisches Leben bilden gemeinsam mit der Individualität des Menschen eine Einheit, sie beeinflussen sich wechselseitig. Dies in Diagnostik und Therapie zu berücksichtigen, ist eine der wesentlichen Grundlagen der Anthroposophischen Medizin.

Keine Alternative zur Schulmedizin – sondern ihre Erweiterung

Anthroposophische Medizin ist deshalb auch keine Alternative zur konventionellen Medizin, sie will diese nicht ersetzen. Im Gegenteil: Sie steht auf deren naturwissenschaftlicher Basis und setzt im Bedarfsfall alles ein, was die naturwissenschaftliche Forschung an nützlichen Erkenntnissen bereithält: Medizintechnik, Laborkontrollen, Medikamente, Operationen, Intensivmedizin.

Aber dabei bleibt sie nicht stehen. Anthroposophische Medizin erfasst den Menschen als Subjekt in seiner Gesamtpersönlichkeit und in seinen Lebensbesonderheiten nach menschenkundlichen Gesetzmäßigkeiten. Sie versucht also, neben den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten einer Krankheit das Charakteristische und Individuelle des jeweiligen Menschen in das weitere Vorgehen einzubeziehen. Denn jeder Mensch ist einzigartig und jede Erkrankung, jede Behandlung ist es ebenfalls.

Anthroposophische Medizin kennt keine pauschalen Behandlungsrezepte. Auch wenn sich die Krankheitsbilder ähneln, so bekommt doch jede Krankheit durch den Patienten selbst ein eigenes Gesicht. Anthroposophische Medizin fragt deshalb nach den körperlichen, aber ebenso nach den physischen psychischen Voraussetzungen, die den krankmachenden Faktoren erst den Weg geebnet haben.

Dies zu erkennen und therapeutisch umzusetzen, sich jedem Patienten neu zuzuwenden, geleitet von wissenschaftlichen Erkenntnissen, ärztlicher Erfahrung, persönlicher Urteilsfähigkeit und Intuition, ist ein wichtiges Charakteristikum Anthroposophischer Medizin.

Der Patient als aktiv Handelnder

Anthroposophische Medizin ist so modern, weil sie den Menschen nicht auf seine Krankheit reduziert, sondern als Partner des Arztes respektiert und aktiv in die Therapie mit einbindet. In einer Zeit, die immer mehr die Eigenverantwortung und Eigeninitiative des Einzelnen im Gesundheitswesen anmahnt, ist eine Medizin, die diese Aufgabe methodisch ernstnimmt, eine gesellschaftliche Notwendigkeit. In einer Zeit, die trotz pluralistischer Gesellschaft verstärkt verallgemeinert, pauschaliert und normiert, ist mehr denn je eine Medizin gefordert, die differenzierte, ganzheitliche Angebote macht und die Individualität des Menschen in den Mittelpunkt stellt. Eine Medizin, die den Patienten in die Lage versetzt, selbst mitzuentscheiden, welches therapeutische Vorgehen ihm entspricht, um eine Krankheit zu überwinden und als Chance für die eigene Weiterentwicklung zu verstehen.

Mit dieser Synthese aus Natur- und Geisteswissenschaft verbindet Anthroposophische Medizin den pathogenetischen (an der Krankheit orientierten) Ansatz der Medizin mit der salutogenetischen (an der Gesundheit ausgerichteten) Sicht. Daraus resultiert ein ganzheitliches Gesundheits-, Krankheits- und Therapieverständnis. Genau das ist das Bedürfnis der Menschen unserer Zeit.

Gesundheit Aktiv nord  fördert und unterstützt die Anthroposophische Medizin als moderne Medizin für Menschen unserer Zeit. Sie setzt sich dafür ein, dass anthroposophische Therapien, Heilmittel und Behandlungsmaßnahmen durch die Gesetzliche Krankenversicherung weiterhin erstattet werden. Dazu gehören anthroposophische Arzneimittel ebenso wie die Kunsttherapien (Malen, Plastizieren, Musiktherapie, Sprachgestaltung) sowie die Heileurythmie als Bewegungskunst, die Körperliches und Seelisches miteinander verbindet.

Besonders wirksam und heilkräftig sind auch äußere Anwendungen aus der anthroposophischen Pflege wie Wickel, Auflagen, Bäder, rhythmische Einreibungen und Rhythmische Massagen nach Dr. Ita Wegman und Dr. Margarethe Hauschka.

 

 

 

Anthroposophische Arzneimittel

 

Alle anthroposophischen Arzneimittel sind darauf ausgerichtet, die Selbstheilungskräfte des Organismus anzuregen. Dabei ergänzen sie die Medikamente aus der Schulmedizin - sie ersetzen sie nicht. Wo die konventionelle Medizin jedoch ausschließlich darauf ausgerichtet ist, Krankheitskeime abzutöten, Krankheitsprozesse zu unterdrücken und fehlende Stoffe zu ersetzen (zum Beispiel Vitamine, Hormone, Blutbestandteile), geht die anthroposophische Medizin noch einen Schritt weiter. Sie will bewirken, dass der Organismus - wo immer es möglich und sinnvoll ist - eine Krankheit aus eigener Kraft überwindet. Dabei geht es vor allem darum, die Körperfunktionen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und die Abwehrkräfte zu stärken. Anthroposophische Arzneimittel spielen dafür eine wichtige Rolle.

Für anthroposophische Arzneimittel werden Ausgangsstoffe aus allen Naturreichen verwendet: pflanzliche (aus Heilpflanzen wie Mistel, Ringelblume, Arnika, Schlüsselblume, Kamille, Enzian und vielen anderen), mineralische (zum Beispiel Pyrit, Zinnober, Quarz, Schwefel, Kalk), tierische (z.B. Bienen- und Schlangengift) oder auch Metalle (z.B. Gold, Silber, Kupfer - jeweils in homöopathischer Verdünnung).

Was zahlen die Kassen?

Die Kosten für verschreibungspflichtige anthroposophische Arzneimittel werden von den Krankenkassen übernommen. Da die meisten Präparate jedoch rezeptfrei erhältlich sind, müssen sie meist aus eigener Tasche bezahlt werden. Manche Krankenkassen erstatten die Kosten bis zu einer gewissen Höhe. Welche Kassen das sind, erfahren Sie hier.

Misteltherapie

Laut Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) vom 19. April 2012 dürfen anthroposophische Mistelpräparate nur noch in der palliativen Situation zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet werden – wenn die Krankheit nicht mehr heilbar ist, weil z. B. bereits Metastasen vorhanden sind. Diesem Beschluss des GBA ist keine inhaltliche Prüfung der anthroposophischen Mistelpräparate auf Wirksamkeit und therapeutischen Nutzen vorausgegangen. Es handelt sich vielmehr um eine rein formale Anpassung an die Therapiestandards der konventionellen Medizin.

In vielen Fällen erstatten die Krankenkassen diese Therapie auch schon in der adjuvanten Situation, das heißt, wenn die Diagnose feststeht und die Behandlung begonnen wurde, im Rahmen von sogenannten Satzungsleistungen (das sind besondere, nur die Kasse selbst festgelegte Leistungen). Sprechen Sie deshalb Ihre Krankenkasse darauf an, wenn Sie in dieser Lage sind.

Weitere Informationen zur Misteltherapie, auch zur aktuellen Studienlage, finden Sie unter www.misteltherapie.de

 

 

 

Anthroposophische Therapien

 

Charakteristisch für die Anthroposophische Medizin sind spezielle Therapien:

 • Kunsttherapien wie Malen, Plastizieren, Musik, Gesang

 • Rhythmische Massage

 • Heileurythmie

Die Kunsttherapien fördern die Eigenaktivität des Patienten und regen durch das kreative Handeln heilsame Prozesse an. Die Auseinandersetzung mit Ton, Holz oder Stein, mit Farbe, Form, Stimme und Klang lässt anders wahrnehmen, hören, sehen und fühlen.

Für alle künstlerischen Therapien ist keine bestimmte Begabung erforderlich. Es geht nicht um einen ausgefeilten musikalischen Vortrag oder eine perfekte Zeichnung, eine kunstvolle Skulptur. Vielmehr kommt es darauf an, den künstlerischen Prozess, das eigene kreative Tun und den dadurch ermöglichten Dialog zwischen Innen und Außen, Nähe und Distanz zu erleben. Das ist auch vermeintlich unmusikalischen oder zeichnerisch und gestalterisch unbegabten Menschen möglich.

Oft wächst die Motivation für die Kunsttherapien im aktiven Tun. Ist eine bestimmte Schwelle einmal überwunden, ist im Erleben bewusst geworden, wie befreiend, beseelend und stärkend kreative Kräfte wirken, entdecken viele Patienten in der langfristigen Wiederholung der künstlerischen Aktivität eine wichtige Gesundheitsquelle und Bewältigungsstrategien für ihr weiteres Leben.

Alle Therapien werden von Kunsttherapeuten begleitet. Sie geben auch Hilfestellung, wenn es mal nicht mehr weiterzugehen scheint oder wenn während der Therapie Probleme auftauchen.

Die Rhythmische Massage wurde von den Ärztinnen Dr. Ita Wegman und Dr. Margarethe Hauschka entwickelt. Dr. Hauschka sagte dazu einmal: "Die Aufgabe dieser Massage ist es, durch Verstärkung des rhythmischen Elements dem Körper zu helfen, sein Gleichgewicht wiederzufinden."

In diesem Sinne arbeitet die Rhythmische Massage daran, den Organismus zu durchwärmen und zu durchatmen. Die "saugenden" Griffqualitäten regen den Wärmeorganismus an, vertiefen die Atmung und bringen so heilsame Prozesse in Gang. Je nachdem, was der Patient benötigt, kann die Rhythmische Massage aktivierend oder beruhigend wirken, ein- oder ausscheidend, auf- oder abbauend. Sie ist immer individuell angelegt, bringt Gestautes ins Fließen, löst Verhärtungen und Verspannungen. Eine Nachruhe nach jeder Behandlung ist obligatorisch.

Die Heileurythmie setzt Sprache, Gebärden und manchmal auch Musik ein, die in eine speziell gestaltete Bewegung umgesetzt werden.Der Begriff Eurythmie leitet sich ab aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt "der schöne Rhythmus". Als "schön" gilt dabei das Übereinstimmen von Innen und Außen, wenn innere Vorgänge zutreffend in einer äußeren Bewegung dargestellt werden, oder wenn umgekehrt die äußere Bewegung Inneres erlebbar macht.

Alle Gesetzmäßigkeiten der Sprache finde ihre Entsprechung in der menschlichen, von innen heraus erfüllten Bewegung. Jede von ihnen eröffnet vielfältige therapeutische Möglichkeiten und wirkt auch direkt auf die inneren Prozesse im Organismus ein.

 

 

 

Anthroposophische Pflege

 

Anthroposophische Pflege erweitert die normalen pflegerischen Tätigkeiten um spezielle Anwendungen:

 • Wickel und Auflagen

 • Rhythmische Einreibungen nach Wegman/Hauschka

 • Teil- und Ganzkörper-Waschungen

Dabei handelt es sich keineswegs "Wellness"-Behandlungen, die nur eine wohlige Entspannung zum Ziel haben. Sie wirken meist so tiefgreifend, dass der Effekt unmittelbar spürbar ist. Mehr noch: Oft sind sie sogar eine Art "Türöffner" für Maßnahmen, die dann das Gesunden einleiten und weiter voranbringen können.

Vor allem die Pflege ermöglicht Lebensqualität und würdigt den Kranken oder Pflegebedürftigen in seiner biographischen Situation. Deshalb hat die Pflege im Rahmen der Anthroposophischen Medizin einen besonderen Platz und hohen Stellenwert. Denn Heilung ist nur mithilfe von Pflege möglich.